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Was ist eigentlich Fliegenfischen?

Denjenigen, der sich hier eine grundlegende Erklärung erhofft, was eigentlich Fliegenfischen ist, muss ich leider enttäuschen. Hier soll es darum gehen, wo die Grenze zwischen Fliegenfischen und anderen Angelarten zu ziehen ist.cimg01931

Angeregt durch eine Diskussion in einem Forum habe ich mir mal ein paar Gedanken darüber gemacht, in wie weit das, was ich praktiziere, wirklich Fliegenfischen ist. Ist Fischen mit einem Tungstenjig noch Fliegenfischen? Ist Streamern auf Hecht noch Fliegenfischen? Ist Fischen mit der Brotfliege noch Fliegenfischen? Ist Czech Nymphing noch Fliegenfischen? Sich bei jeder dieser Spielarten diese Frage zu stellen ist schwierig, ich habe versucht, für mich Fliegenfischen zu definieren und dann zu sehen, was nun dazu zählt und was nicht. Ich habe dabei versucht, mich nicht an historischen Fliegenfischern und ihren Techniken zu orientieren, sondern selber mit einem Blick auf die heutige Szene zu urteilen.

Grundlegende Kriterien sind für mich erst einmal das Gerät: Fliegenrute, Fliegenrolle, Flugschnur. Natürlich lässt sich die kleine Trockene auch mit der Wasserkugel gen Horizont schießen, aber das würde ich als Posenfischen mit künstlichem Köder bezeichnen. Wichtig ist in meinen Augen hier die Wurftechnik: Die Schnur muss das Gewicht des Köders transportieren. Nun würde an dieser Stelle für viele wohl das Czech Nymphing aus der Fliegenfischerei verbannen – in meinen Augen recht kurzsichtig. Vor allem dann, wenn man Czech Nymphing nur als das Fischen mit ultra kurzer Schnur kennt. Man kann sehr wohl die geführte Nymphe auch auf mehrere Meter Entfernung anwenden und cimg0403dabei wird dann ganz regulär geworfen. Also logische Konsequenz: Czech Nymphing an der langen Leine ist Fliegenfischen an der kurzen Leine ist es das nicht. Irgendwie wirkt die logisch gefolgerte Konsequenz sehr unlogisch: Fliegenfischen kann man nur ab einer gewissen Distanz. Aha. Das heißt, den Fisch, der unmittelbar vor mir steigt, darf ich an einem Fly Only Gewässer nicht befischen, weil ich dann ja nicht mehr Fliegenfischen würde. Ne, also irgendwie kann das nicht des Pudels Kern sein. Somit würde ich folgern, dass Techniken, die auch auf größere Distanzen angewendet werden können, auch auf kürzere Distanz als Fliegenfischen zu bezeichnen sind. Ich glaube, das ist eine recht gute Näherung für diesen Fall.

Machen wir mal mit dem nächsten Kriterium weiter, den Ködern. Er muss mit der Fliegerute werfbar sein, es muss ein Kunstköder sein und er sollte gebunden sein. Das Kriterium der Werfbarkeit schließt in den leichten Rutenklassen viele Köder aus, mit der richtigen Rutenklasse lässt sich eine mehrere Gramm schwerer Streamer noch gut werfen, also kann das Gewicht keine maßgebende Rolle spielen. Aha. Das Kriterium des Kunstköders ist da wohl zutreffender, auch wenn ein bekannter Fliegenfischer, der von vielen wohl als Ikone der Fliegenfischerei gesehen wird, schon vor vielen Jahren eine Brotflocke auf den Haken piekste und erfolgreich in der Stadt fischte. Aber bleibea4n wir mal bei den Ködern – wie sieht es mit Brotfliege und Streamern aus? Ist die Brotfliege noch Fliegenfischen? In meinen Augen ja, wir bieten einen künstlichen Köder mit Fliegengerät und der normalen Wurftechnik an. Beim Streamer werden viele rufen, dass es eher Spinnfischen sei. Damit wären dann auch viele Nassfliegen raus, die Brutfischchen imitieren oder als Reizfliege dienen. Ich glaube, beim Köder liegt einer der Hunde, die die Sache klären begraben. Das Gewicht kann es nicht sein, sonst müssten alle Fliegen auf die Feinwaage. Das, was sie darstellen kann es auch nicht sein. Was ist es dann? Es ist die Technik der Herstellung. Fliegen werden gebunden, das unterscheidet sie von allen anderen Ködern. Ob da jetzt noch etwas geklebt wird oder eine Schicht Epoxy drüber kommt macht in meinen Augen keinen Unterschied, das Grundgerüst wird gebunden.

Zusammenfassen lässt sich wohl sagen, dass es kein schwarz und kein weiß gibt, aber dafür ganz viel grau in allen Variationen.Was viel wichtiger ist, als die Frage, ob das, was wir da tun, jetzt wirklich Fliegenfischen ist, ist, dass wir gut mit dem Fisch und der Natur umgehen.

Dies ist selbstverständlich nur meine Sicht der Dinge, es steht jedem frei, Fliegenfischen so zu definieren, wie er möchte und darüber zu diskutieren, aber bitte niveauvoll, das Fliegenfischen ist wahrlich kein Grund einen ernsthaften Streit vom Zaun zu brechen.

TL,

Flyblogger

3 Antworten zu “Was ist eigentlich Fliegenfischen?”

  1. Rudolf Thurner sagte

    Servus Fabian,
    erstens freut es mich sehr, wieder von Dir zu hören.Zweitens möchte ich Dir zu Deiner wunderbaren HP gratulieren.Drittens darf ich Dich zu Deiner gelungenen Beschreibung „Was ist eigentlich Fliegenfischen“ beglückwünschen,gefällt mir ausgezeichnet gut.
    Liebe Grüße aus Himberg Rudolf

  2. Florian Blum sagte

    Hi Fabi ,
    möchte dir hiermit mein größten Respekt erweisen !
    Ich treibe mich ja selbst viel am Wasser und im Netz herum aber noch nie hat es jemand so auf den Punkt gebracht wie du !
    Ich sehe das zu 100% genauso Fliegenfischen ist eben sehr universell und das ist das was für mich u.a. den großen Reiz ausmacht .
    Mach weiter so !

    Tight Lines
    Flo

  3. Flyblogger sagte

    Vielen Dank für die vielen Rückmeldungen, die ich hier als Kommentare wie als Emails erhalten habe. So etwas motiviert doch, seine Meinung öffentlich nieder zu schreiben!

    Tight Lines,
    Fabian

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